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Hochschullehrerbund | |||||||||||
| Landesverband Berlin e. V. | ||||||||||||
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Der Vorstand des Berliner Landesverbandes des Hochschullehrerbundes fordert die Landesregierung auf, den Fachhochschulstandort Berlin zu sichern und als Faktor für einen Wirtschaftsaufschwung auszubauen. Pauschale Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst, die die Arbeit der Fachhochschulen beeinträchtigen, werden die Berliner Krise nicht überwinden, sondern weiter verschärfen.
Berlin, den 11. Juni 2003. Der Vorstand des Berliner Landesverbandes des Hochschullehrerbundes sieht Berlin mitten in einer Krise der Finanzierung öffentlicher Aufgaben. Von allen Einrichtungen des Landes wird Kosten bewusstes Handeln verlangt. Hierin sind die Fachhochschulen seit vielen Jahren vorbildlich. Das von ihnen angebotene Studium ist die denkbar kostengünstigste akademische Ausbildung. Schlanke Strukturen und flache Personalausstattung sind für sie kein Fremdwort, sondern Alltag. Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen sind ihre eigenen Ideengeber, Mitarbeiter und Sekretäre. Sowohl von den Studierenden als auch von den Lehrenden werden ein hohes Engagement und eine intensive Präsenz erwartet. Die Lehrverpflichtung der Professuren ist im internationalen Vergleich hoch und vor dem Hintergrund der Zunahme weiterer Aufgaben, die in Konkurrenz zur Lehre stehen, unverantwortlich. Gleichzeitig ist die hohe Intensität von Existenzgründungen aus Fachhochschulen empirisch nachgewiesen.
Zur Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Berlin fordert der hlb-Landesvorstand die Landesregierung daher auf,
Die Fachhochschulen werden unter der Einführung der W-Besoldung und der damit verbundenen gravierenden Absenkung der gesicherten Bezüge auf das Niveau eines Realschullehrers besonders zu leiden haben. Die Vergütung ihrer Professorinnen und Professoren liegt dann am unteren Ende des Zumutbaren. Verstärkt wird das Bild vom finanziell ungesicherten Arbeitsplatz Hochschule durch die drohende Streichung des so genannten Weihnachtsgeldes. Die Professur an einer Fachhochschule wird dann für Bewerber aus den gut dotierten Stellen in der Wirtschaft nicht mehr attraktiv sein. Hiervon sind die Fachhochschulen besonders betroffen, denn für potentielle Bewerber ist die FH-Professur nur einer unter vielen möglichen Wegen der beruflichen Weiterentwicklung.
Die Professorinnen und Professoren müssen seit Jahren mit einer im internationalen Vergleich unzumutbar hohen Lehrverpflichtung leben. Während im internationalen Vergleich 12 Stunden als gerade noch zumutbar angesehen werden, müssen Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen 18 Stunden Lehre absolvieren. Der Wissenschaftsrat hat im Januar 2002 festgestellt, dass die pauschal festgesetzte Lehrverpflichtung in Höhe von 18 Stunden pro Kopf und Woche zu hoch ist, um insbesondere anwendungsbezogene Forschung neben der Lehre übernehmen zu können.
Fachhochschulstudierende und –absolventen steht die Welt offen. Seit vielen Jahren bieten die Fachhochschulen im Rahmen internationaler Studiengänge auch das Studium an einer ausländischen Partnerhochschule, das Praktikum in einem ausländischen Unternehmen und den doppelten Studienabschluss an. Diese Entwicklung wäre ohne das Engagement der Professorinnen und Professoren nicht denkbar. Die Einführung von Bachelor- und Masterprogrammen an den Fachhochschulen selbst bedeutet einen zusätzlichen Kraftakt, den die Lehrenden derzeit ohne jede Unterstützung durch Mitarbeiter bewältigen müssen. Darüber hinaus haben die schulischen Kenntnisse der Studienanfänger ein Maß angenommen, das einen erhöhten Aufwand für die Betreuung der Studierenden verlangt. Die Lehre darf nicht zur „schönsten Nebensache des Hochschullehrerberufs“ verkommen.
Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung hat in einer Studie, die im November vergangenen Jahres vom BMBF veröffentlicht wurde, festgestellt, dass „die Gruppe der Fachhochschulen die höchste Intensität an Existenzgründungen aufweist, gefolgt von den Technischen Universitäten. Die hohen Gründungsintensitäten der Fachhochschulen sind besonders beachtenswert, zumal dieser Hochschultyp bei Diskussionen um den Wissens- und Technologietransfer oftmals weniger beachtet wird.“ Der Berliner Wirtschaftsraum benötigt hoch stehende Grundlagenforschung einerseits, aber insbesondere anwendungs- und praxisorientierte Forschung und Entwicklung andererseits. Für Letzteres sind die Fachhochschulen der originäre Ort. Sie können in Berlin diesem Anspruch im Augenblick nur eingeschränkt gerecht werden, denn seit Jahren werden sie von der Politik in ihrem Bemühen um eine Verstärkung der FuE-Leistungen und des Technologie- und Wissenstransfers allein gelassen. Der Wirtschaftsstandort Berlin kann sich nur dann positiv entwickeln, wenn die Fachhochschulen wesentlich ausgebaut und gestärkt werden.
Die Fachhochschulen bieten den Studierenden ein in seinem Aufwand, seiner Gesamtdauer und seinen Kosten kalkulierbares Studium. Grund hierfür ist das hohe Maß an Betreuung und persönlicher Präsenz der Professorinnen und Professoren. Die Kosten eines Absolventen liegen erheblich niedriger als diejenigen für einen Universitätsabsolventen. Die in diesem Zusammenhang durch ein Interview des Berliner Tagesspiegels mit Finanzsenator Sarrazin v. 12.05.2003 ausgelöste Reaktion der drei Berliner Universitätspräsidenten vom 13.05.2003 - ebenfalls im Tagesspiegel - hat den Hochschullehrerbund veranlasst, bei der HIS GmbH (Hochschul-Informationssystem, einer gemeinsamen Einrichtung von Bund und Ländern) genauer nachzufragen, welche Ergebnisse wie zustande gekommen sind. Wenn - wie die Universitätspräsidenten darstellen - die Kosten für die "Lehre" eines Absolventen im Mittel über 10 Studiengänge im Jahr 2000 an den Universitäten bei 63.000 DM, an den Fachhochschulen jedoch bei 72.000 DM liegen, wäre das Projekt "Fachhochschule" gescheitert. Dass dies keineswegs der Fall ist, verdeutlicht die Verdichtung nach Fächergruppen "Ingenieurwissenschaften" und "Wirtschafts- und Sozialwissenschaften", vor allem unter Berücksichtigung eines Forschungsanteils (s. Anmerkung).
Demzufolge betragen die Kosten im Jahr 2000 für die Lehre je Absolvent im Bereich der Ingenieurwissenschaften (ohne Forschungsanteil) bei Fachhochschulen 72.000 DM, bei Universitäten dagegen 83.000 DM. Bei Berücksichtigung aller Kosten für die Forschung belaufen sich die Kosten an der Fachhochschule auf 77.000 DM, bei den Universitäten dagegen auf 220.000 DM.
Im Bereich der "Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" betrugen die Kosten je Absolvent für die Lehre im Jahr 2000 (ohne Forschungsanteil) 50.000 DM, bei den Universitäten 34.000 DM. Letzteres wird nicht zu Unrecht auf Massenveranstaltungen (bis zu 200 Hörer) zurückgeführt. Bei Berücksichtigung aller Kosten für die Forschung belaufen sich die Kosten je Absolvent bei den Fachhochschulen auf 53.000 DM, bei den Universitäten auf 70.000 DM.
Der Landesvorstand bedauert die unsachliche Diskussion, die von Seiten der Universitäten angeschoben wurde. Mit Bestürzung wurde registriert, dass sich auch der designierte Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und künftige Sprecher der Hochschulleitungen aller Hochschulen und Hochschularten an dieser Argumentation beteiligt hat.
Hochschullehrerbund hlb
Vorstand Landesverband Berlin e.V.:
Professor Dr. Peter Kolbe, FHTW Berlin, Vorsitzender
Professorin Dipl.-Ing. Hannelore Damm, FHTW Berlin
Professorin Dr. Angela Schwenk, TFH Berlin
Professor Dr. Günter Siegel, TFH Berlin
Doz. Dr.-Ing. Wolfgang Wüsthoff
Die Hochschulausgaben für Lehre und Forschung wurden um folgende Forschungsanteile reduziert:
[Mitgliedsantrag] [Impressum] Letzte Änderung am 27.01.2011 von Angela Schwenk