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  Landesverband Berlin e. V.
 
                   

Diskussionsveranstaltung mit dem Senator Prof. Zöllner

Im Rahmen der Mitgliederversammlung des hlb-Berlin fand am 2. Juli 2008 eine Diskussionsveranstaltung mit dem Senator Prof. Zöllner an der TFH-Berlin statt.
Bericht von Dr. Mücke in der DNH 3-4, 2008


V. l. n. r.: Prof. Schwenk (Vorsitzende des hlb Berlin), Senator Prof. Zöllner, Prof. Thümer (Präsident der TFH), Prof. Rieger (Rektor der FHW), Prof. Heine (Präsident der FHTW) [weitere Bilder]
Am 2. Juli diskutierte der Wissenschaftssenator des Landes Berlin, Prof. Jürgen Zöllner, auf Einladung des Hochschullehrerbundes Berlin mit den Professoren der Fachhochschulen über den Bologna- Prozess, die W-Besoldung und das Promotionsrecht. Senator Zöllner betonte zu Beginn seines Vortrags die zentrale Bedeutung des Wissenschafts- und Bildungsbereichs für den Standort Berlin. Daher werde Berlin in diesen Bereichen investieren. Auch politische Ziele sollen weniger durch Vorschriften, sondern vor allem durch finanzielle Anreize erreicht werden, die die Hochschulen in die "richtige" Richtung bewegen. Zöllner nannte als Beispiel den Esel, der sich auch nur durch Möhren bewegt. So sollen die Hochschulen gefördert werden, wenn sich ihre Professoren in Hochschuldidaktik weiterbilden. Dieses und weitere Beispiele lösen natürlich nicht die drängenden Probleme an den Fachhochschulen. Die liegen ganz woanders, zum Beispiel in der unattraktiven Bezahlung der Professoren. Angela Schwenk, Professorin an der TFH Berlin und hlb-Landesvorsitzende, konfrontierte Senator Zöllner mit einer Besoldungstabelle, die Berlin in der Schlusslichtgruppe der Professorenvergütung der Bundesländer zeigte. Entgegen der Beteuerungen über die Bedeutung von Wissenschaft und Bildung bewegt sich die Vergütung der Professoren am unteren Ende im Gehaltsgefüge des akademisch geprägten öffentlichen Dienstes. Zu Recht wies Zöllner darauf hin, dass der öffentliche Dienst nie mit Unternehmen um die Bezahlung der Beschäftigten konkurrieren können wird. Die W-Besoldung hat aber zu einem tief greifenden Vertrauensverlust in die Zukunft des Hochschullehrerberufs geführt. Der hlb fordert daher einen attraktiven Wechsel von der C- in die W-Besoldung und ein einheitliches Professorenamt nach W3, als Sofortmaßnahme eine deutliche Anhebung der Grundvergütung sowie die sofortige Abschaffung der Ost-Besoldung, die der Bund im laufenden Jahr für seinen Bereich aufgehoben hat, worauf Angela Schwenk hinwies. Senator Zöllner gestand die Notwendigkeit einer Nachbesserung der W-Besoldung ein, warnte aber vor zu großen Hoffnungen.


Kollegen und Kolleginnen der Berliner Fachhochschulen [weitere Bilder]

Promotion

Ein lohnendes Feld für die Berliner Anreizpolitik wäre die Promotionsmöglichkeit für FH-Absolventen, die immer noch lediglich in Einzelfällen gelingt. Es darf nicht sein, so Senator Zöllner, dass Studienberechtigte ein Fachhochschulstudium meiden, nur weil das Universitätsstudium alle Optionen bietet, eben auch diejenige einer späteren Promotion. Daher müssen Anreize geschaffen werden, damit die Fakultäten der Universitäten geeignete FH-Absolventen zur Promotion zulassen. Das wird ein schwieriges Unterfangen, denn es ist die autonome Entscheidung eines jeden Professors, ob er einen Doktoranden betreut oder nicht. Ein Promotionsrecht der Fachhochschulen lehnte Zöllner mit der Begründung ab, dann würden die Fachhochschulen über kurz oder lang nur noch ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs berufen und ihr Profil einer anwendungsbezogenen Ausbildung durch wissenschaftlich ausgewiesene und außerhalb des Hochschulbereichs berufserfahrene Professoren verlieren. Überzeugen konnte Zöllners Argumentation nicht. Die Forscher an den Fachhochschulen spüren, dass nachhaltige Forschungsleistung ohne Unterstützung durch wissenschaftlichen Nachwuchs auf Qualifizierungsstellen schnell an Grenzen stößt. Daher muss das Land reagieren und sollte nicht immer wieder neue Argumente gegen ein Promotionsrecht vorbringen. Die Fachhochschulen sind stolz auf ihr alleinstellendes Profil, sie werden es entweder durch eine anwendungsorientierte Promotion oder durch eine entsprechende Berufungspolitik pflegen.

Bologna

Grundsätzlich eröffnet der Bachelorabschluss den Zugang zu einem geeigneten Masterstudium und zwar unabhängig davon, an welcher Hochschulart der Bachelor erworben wurde und von welcher Hochschulart das Masterstudium angeboten wird. Während der Diskussion wurden allerdings Fälle geschildert, in denen die Zulassung von FH-Absolventen zu universitären Masterstudiengängen verweigert wurde. Senator Zöllner zeigte sich verunsichert, weiß er doch, dass die Eingriffsmöglichkeiten in solchen Fällen begrenzt sind. Gleichwohl rief Zöllner alle Beteiligten auf, Benachteiligungen zu melden.

Hubert Mücke


[Mitgliedsantrag]            [Impressum]           Letzte Änderung am 27.01.2011 von Angela Schwenk